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Hans-Hoch-Filmpreis


1988

1. Preis: Jürgen Haacks „Die fremde Stadt“
Kurzinfo: Mit den spezifischen Gestaltungsmitteln des Films -Bildausschnitt, Kameraführung, Schnitt, Montagetechnik und -tempo sowie Musik- und Geräuscheinsatz - versteht es der Filmemacher, dem Zuschauer einen eigentümlichen, atmosphärisch überzeugenden Eindruck einer Stadtlandschaft zu vermitteln. Obwohl die Bilder in seiner Heimatstadt Neumünster entstanden sind, setzt sich Jürgen Haacks in eine ironische Distanz zu den vertrauten Orten und gibt ihnen eine bedrohliche Fremdheit. Mit dieser kurzen Produktion und dem ebenfalls im Wettbewerb gezeigten Animationsfilm “Eskalation“ bewies der junge Filmemacher ein herausragendes Kino-Talent, das die Jury als besonders förderungswürdig anerkannte.

Format: Super 8
Dauer: 7 Minuten

2. Preis: Michael Zamjatnins „ Globus“
Kurzinfo: Beim Durchblättern eines alten Buches mit exotisch anmutenden Zeichnungen entwickelt der Filmemacher eine skurrile und originelle Phantasie. Seine kleinen wunderlichen Geschichten sind nicht nur überraschend und pointenreich. Sie verraten in der Animationstechnik eine eigenständige, schon fast ausgereifte Handschrift und in der Erfindung bewegter Bilder einen Einfallsreichtum, der gerade auf die besonderen Möglichkeiten des Films gerichtet ist.

Format: 16 mm
Dauer: 7 Minuten

3. Preis Peter Bartelt und Helmut Schulzeck „ Ich träum’ noch immer von der Straßenbahn“
Kurzinfo: In einem handwerklich sauber gefertigten, aber auch inhaltlich liebevoll gestalteten Dokumentarfilm beschäftigen sich die beiden Filmer mit einem aus der Mode gekommenen Verkehrsmittel. Sie erzählen die Geschichte der Kieler Straßenbahn und analysieren die verkehrsplanerischen und finanzpolitischen Fakten, die zu Ihrer Abschaffung geführt haben, und die Widersprüche, die dabei deutlich werden. Sie widmen sich aber auch den Menschen, die an dem Schienenfahrzeug als einer Kieler Institution gehangen haben. So entsteht ein von Sympathie getragener, leicht wehmütiger Abgesang auf die geliebte „Linie 4“

Format: 16 mm
Dauer: 43 Minuten

 

1990

1. Preis: Michael Miensopoust „ Alleingang zu Zweit“
Kurzinfo: In seiner ersten abendfüllenden Video-Produktion hat Michael Miensopoust nicht nur das sozialpolitisch wichtige Thema Versorgung eines alleinstehenden Schwerbehinderten verarbeitet, sondern auch seine ganz persönliche Erfahrung als Zivildienstleistender eingebracht. Ihm gelingt dabei das eindringliche und anrührende Porträt einer langsam wachsenden Beziehung, das zwar auch intime Momente enthält, aber doch nie peinlich wirkt. Miensopoust zeigt zwar viel Nähe zu dem Protagonisten und seinen Problemen, er rückt aber die Darstellung auch immer wieder in eine wohltuende Distanz. Vor allem aber zeigt seine Video-Produktion beachtliche filmische Qualitäten, eine überzeugende Dramaturgie, eine überlegte Bildgestaltung und eine sorgfältige Personenführung. So wird die Spannung des Zuschauers nicht nur durch das Thema, sondern auch durch seine filmgerechte Umsetzung über 90 Minuten wachgehalten.

2. Preis: Michael Zamjatnins „ Unsere kleine Welt“
Kurzinfo: Michael Zamjatnins ist ein Filmemacher, dessen handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit den Mitteln des Animationsfilmes professionellen Standard erreicht haben. Besonders herausragend sind seine zeichnerischen Fertigkeiten und die Umwandlung in bewegte Bilder. Obwohl sich sein preisgekrönter Film mit einem thematisch begrenzten Stoff - das Suchtverhalten im Alltag - befasst, entwickelt er in der Ausführung eine beträchtliche Phantasie, die streckenweise deutlich jenseits der bekannten Klischees munter wuchert. Besonders auffällig in seinem Film sind viele mit liebevoller Geduld, Einfallsreichtum und Witz ausgestalteten Details, die zum genauen Hinsehen reizen. Nicht zufällig erhielt dieser Film auch den Puhlikumspreis der Wettbewerbsvorführung.

3. Preis: Berndt Jasper „Der osmotische Druck“
Kurzinfo: Berndt Jasper pflegt ein in unserem Lande seltenes Genre, den Kunstfilm, der wesentlich von den Gestaltungsmitteln der bildenden Kunst ausgeht. Das Fehlen einer logisch nachvollziehbaren Geschichte mag zwar beim ersten Betrachten ein rationales Verständnis erschweren, doch bringt der Filmemacher in einer bemerkenswerten Schnittkombination eindrucksvolle Bilder von speziell optischem Reiz auf die Leinwand und schafft eine eigentümliche Atmosphäre, die den Zuschauer zu vielfältigen Assoziationen und Interpretationen anregt. Die Jury würdigte insbesondere das vielversprechende bildnerische Talent, das hinter dieser Filmkomposition steckt.

 

1994

1. Preis: Serap Berrakkarasu „ Töchter zweier Welten“
Kurzinfo: Der Film zeigt die Schwierigkeiten von Frauen aus der Türkei am Beispiel von Mutter und Tochter, die vor etwa 25 Jahren nach Deutschland kamen, und zwischen den beiden Kulturen fast zerbrechen. In einer Mischung aus Interviewaufzeichnungen und Dokumentarfilm zeigt dieses Werk die elementaren Unterschiede der Gesellschaft der beiden Länder auf. Vor allem die Tochter - heute etwa 25 Jahre alt - erzogen im strengen Glauben des Islam, aber aufgewachsen in der liberalen Gesellschaftsform Deutschlands, ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu den Eltern und der Heimat, die für sie immer noch die Türkei ist, und dem Streben nach Selbständigkeit und Selbstbestimmung. Sie wird sehr früh mit einem von den Eltern ausgesuchten Mann verheiratet. Die Ehe scheitert, weil die junge Frau sich den Vorstellungen ihres Ehemannes nicht fügen will, der sie als sein Eigentum betrachtet. Immer wieder wird in die Türkei geblendet, wo eine andere Hochzeit nach uraltem Ritus abläuft. Es wird die ganze Qual und Traurigkeit der Frauen aufgezeigt, die von ihren Eltern verheiratet werden mit Männern, die ihnen unbekannt sind.

2. Preis: Ira Zamjatnins „ Ein Konglomerat“ und „ Wie wird das Wetter morgen“
Kurzinfo: Die beiden Kurzfilme sind eine Vermischung von Real- und Trickfilm, in denen jedoch keine Brüche vorkommen. Mit scheinbarer Mühelosigkeit wird hier Nostalgisches mit Modernem vermischt. Witzige Szenen wechseln mit surrealistisch anmutenden ab.

3. Preis: Claas Danielsen „ Im Grenzgebiet“
Kurzinfo: Dieser Dokumentarfilm besticht durch seine Schlichtheit. Er zeigt die Lebenssituation von Jugendlichen im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Bundesrepublik und DDR in Büchen. Ganz unspektakulär stellt er junge Menschen dar, die in einer verlassenen Grenzer-Baracke der DDR einen Jugendtreff finden, der in seiner Trostlosigkeit nicht mehr zu übertreffen ist. Der Film zeigt das Leben zwischen Langeweile, Unfug und Kriminalität. Hier findet sich der Acker, auf dem Rechtsradikalität gesäht wird und gedeiht.

 

1996

1. Preis: Marco Giese und Claus Oppermann „Tohuwabohu“
Kurzinfo: Der Film verknüpft eine kompakte Handlung überzeugend mit schleswig-holsteinischem Flair. Die Geschichte um einen eifersüchtigen jungen Mann, der sich auf der Suche nach seiner Freundin in diversen komischen Abenteuern verheddert, ist schlüssig durchgezogen, Nebenstränge fügen sich bruchlos ein. “Tohuwabohu“ zeigt am klassischen Komödienmuster Sinn für Dramaturgie und Timing, und Giese und Oppermann schaffen es, in pointierten Dialogen das Feeling einer Generation nicht nur einzufangen, sondern den eigenen Blick auch selbstironisch zu brechen.

2. Preis: Claas Danielsen „ Memoiren einer frustrierten Hedonistin“
Kurzinfo: Die russische Kunsthistorikerin Lada Nikolenko hat Claas Danielsen in “Memoiren einer frustrierten Hedonistin‘ porträtiert. Der Regisseur gönnt sich selbst den Luxus der Langsamkeit und seiner Protagonistin die Ruhe zum Reden. Eine personenbezogene Kameraführung und sinnfällige Bilder für die “zweite“, die innere Welt der Erzählenden stehen für die sensible Annäherung an eine Biographie, der allerdings auch die Distanz eines erklärenden Kommentars nicht geschadet hätte. Das unangestrengte Porträt einer ungewöhnlichen Frau wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

3. Preis: Kai Zimmer „ One minute in America“
Kurzinfo: In “One minute in America“ verschmelzen Zeit und Inhalt in idealer Weise zur Einheit. Kai Zimmer hat für seinen einminütigen Film Ansagen aus dem US-Fernsehen, in dem Präsidentschaftskandidaten jeweils eine Minute Redezeit zustehen, zu einer rasanten Schnittfolge montiert. In Bild und Ton manifestiert sich die Absurdität des Wahlkampfes über die Medien ebenso wie die Bedrückung, die diese Form der Selbstdarstellung ausstrahlt.

 

1999

1. Preis: Antje Hubert „ Gaarden- Wir gehen als Sieger aus der Schlacht“
Kurzinfo: Der Dokumentarfilm streift mit liebevollem Interesse durch den Stadtteil auf dem Kieler Ostufer und trifft auf Menschen, die aus Vergangenheit und Gegenwart berichten können. So erfasst die junge Dokumentaristin, mit der Kamera immer ganz nah bei ihren Gesprächspartnern, sowohl die Geschichte dieses Werft- und Arbeiterviertels als auch ihre aktuellen Probleme, die von hoher Arbeitslosigkeit und einem großen Anteil von Ausländern unter der Bevölkerung geprägt sind.

2. Preis: Svend Stein-Angel „ Der Besuch“
Kurzinfo: Der Kurzspielfilm stützt sich auf ein einfallsreiches Drehbuch mit überraschenden Wendungen, leichtgängigen und doch pointierten Dialogen und originellen Figuren. Mit leichter Hand erzählt der Filmemacher von einer Begegnung zwischen zwei Männern, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und sich eigentlich eher misstrauisch oder gar feindselig verhalten müssten. Dass sie sich dennoch verständigen, sich sogar in ihren unterschiedlichen Interessen verbünden können, würzt den vergnüglichen Film mit einer gehörigen Prise Verblüffung.

3. Preis: Christian Mertens und Bartosz Werner „Rosen für Anna“
Kurzinfo: Ein Kurzspielfilm, eigentlich eher ein Videoclip, erzählt von einer frühen, scheinbar ganz naiven Liebelei. Doch gezielt eingesetzte formale Brüche machen die Brüchigkeit der frischen Beziehung deutlich. Der erstaunlich souveräne, fast flapsig flotte Umgang mit Bildführung und Montage als Mittel der filmischen Erzählung lässt viel Talent erkennen, nicht nur im Umgang mit der Technik, sondern auch mit der Dramaturgie. Weil die Story in ironische Distanz gerückt wird, entgeht sie der Gefahr des Kitsches.

 

2002

1. Preis: Lena Jana Krajewski „ Frag nicht nach Sonnenschein“
Kurzinfo: „Frag nicht nach Sonnenschein“ ist ein sehr stimmiger Film, der seinen Bildern vertraut und auf handwerklich hohem Niveau eine Geschichte über Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und die Kraft von Zufällen erzählt. Getragen von einem überzeugenden Engagement des gesamten Filmteams spannt Lena Jana Krajewski, mit einem realistischen und zugleich einfühlsamen Blick auf ihre beiden Protagonisten (Katharina Thalbach als Rita S.; Alexander Simon als Jan K.), den visuellen Bogen von der alltäglichen Tristesse bis zum skurrilen Zufall. In der wohlgelungenen Balance zwischen diesen Polen entwickelt der Film seine Stärke und bindet die Zuschauer durch unaufdringliche Bilder, eine subtile Tonarbeit und ein Zwinkern im Auge.

2. Preis: Eugenia Loguinova-Hünemörder „ 6 Stunden in der Zukunft“
Kurzinfo: In einer sehr persönlichen, für das Publikum leicht nachvollziehbaren dokumentarischen Bild- und Tonreise schildert Eugenia Loguinova-Hünemörder die Suche nach ihrer Geschichte und Gegenwart im Altai- und West-Sayan-Gebiet im Herzen Asiens. Mit subjektiver Kamera durchmisst sie dieses große Gebiet und stellt den intensiven Kontakt zwischen den Menschen dort und den Zuschauern her. Dabei gelingt ihr ein subtiles Spiel aus Nähe und Distanz fernab jeden exotischen Medienklischees. Besonders überzeugt die Sensibilität und Kontinuität in ihrer filmischen Haltung den Menschen und ihren Lebensräumen gegenüber sowie ihre unauffällige Dramaturgie.

3. Preis: Jenny Gand und Philip Rebohl „ Der Geheimniskrämer“
Kurzinfo: Das Geheimnis des Films wird wohl gehütet von den Filmemachern und in der Kunst der Beschränkung liegt dann auch eine der Qualitäten des Films. In ruhigen Bildern erleben wir eine Geschichte von Jung und Alt, von unterschiedlichen und doch ähnlichen Erfahrungen mit einer Moral ohne Zeigefinger. Ein kleiner, feiner Film der neugierig macht auf weitere Arbeiten.
 

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